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Riscreen Compliance-Newsletter – Ausgabe KW 42-43/2026

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Die beiden Kalenderwochen zeigen eine auffällige Verbindung zwischen regulatorischer Konkretisierung und technischer Resilienz. Während AMLA, ESMA und IOSCO Kooperation, Marktinfrastruktur und Risikosteuerung weiterentwickeln, werden Software-Lieferketten, Post-Quanten-Kryptografie und digitale Forensik zunehmend zu konkreten Governance-Themen. Hinzu kommen neue Vorgaben im deutschen Außenwirtschafts- und Cyberresilienzrecht. 

Damit verlagert sich der Blick stärker auf die Frage, ob regulatorische Anforderungen auch technisch, organisatorisch und über komplexe Liefer- und Informationsketten hinweg belastbar umgesetzt werden können. 

1. ENISA: Technical Advisory zur Einführung von Software Bills of Materials

Anwendbar für: Softwarehersteller, Hersteller digitaler Produkte, Informationssicherheit, Software Supply Chain, CRA, Produktentwicklung 

Relevante Maßnahmen: 

  • SBOM-Prozesse über einen definierten Lebenszyklus von Erstellung, Austausch, Aktualisierung und Nutzung in die Software-Governance integrieren. 
  • Risiken des SBOM-Ökosystems einschließlich Manipulation, unvollständiger Daten und ungeklärter Vertrauensbeziehungen in Sicherheitsmodelle aufnehmen. 
  • SBOM-Daten gezielt mit Schwachstellenmanagement, Komponentenüberwachung und Secure-by-Design-Prozessen verbinden. 

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2. AMLA und OLAF: Vereinbarung zur engeren Zusammenarbeit bei Finanzkriminalität

Anwendbar für: FIUs, AML/CFT-Aufsicht, Banken, Finanzdienstleister, Compliance, Geldwäscheprävention, Fraud Management 

Relevante Maßnahmen: 

  • Schnittstellen zwischen Geldwäsche-, Betrugs- und Korruptionsrisiken stärker in übergreifenden Financial-Crime-Risikomodellen abbilden. 
  • Informationen zu Mustern, Trends und Risikoindikatoren aus unterschiedlichen Ermittlungs- und Aufsichtskontexten konsistenter zusammenführen. 
  • Bezüge zwischen verdächtigen Finanzströmen und Betrug zulasten von EU-Mitteln stärker in Analyse- und Eskalationsprozessen berücksichtigen. 

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3. ESMA: Final Report zu Post-Trade-Risk-Reduction-Dienstleistungen nach EMIR 3

Anwendbar für: Banken, Derivatehändler, Clearingmitglieder, PTRR-Anbieter, Risikomanagement, EMIR-Compliance 

Relevante Maßnahmen: 

  • Nutzung von Ausnahmen von der Clearingpflicht an klar definierte Voraussetzungen für zulässige PTRR-Dienstleistungen koppeln. 
  • Informationspflichten, Kontrollmechanismen und Aufzeichnungen für Portfolio-Kompression und andere PTRR-Verfahren konsistent ausgestalten. 
  • Überwachung der Clearingausnahme so in die Governance integrieren, dass Umgehungen der EMIR-Clearingpflicht erkennbar bleiben. 

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4. Deutschland: Bundestag beschließt CRA-Durchführungsgesetz

Anwendbar für: Hersteller, Importeure und Händler von Produkten mit digitalen Elementen, Softwareanbieter, Produkt-Compliance, Informationssicherheit 

Relevante Maßnahmen: 

  • Zuständigkeit des BSI als deutsche Marktüberwachungs- und notifizierende Behörde in CRA-Governance und Behördenkommunikation berücksichtigen. 
  • Deutsche Zuständigkeiten für Marktüberwachung, Konformitätsbewertung und Bußgeldverfahren ergänzend zu den unmittelbar geltenden CRA-Pflichten in die Compliance-Governance einordnen. 
  • CRA-Umsetzung organisatorisch klar zwischen europäischen Produktpflichten und nationalen Aufsichts- und Verfahrensanforderungen trennen. 

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5. Außenwirtschaftsrecht: Ausfuhrliste und AWV aktualisiert

Anwendbar für: Exportkontrolle, Industrie, Rüstungs- und Dual-Use-Unternehmen, Trade Compliance, Einkauf, Vertrieb 

Relevante Maßnahmen: 

  • Güterklassifizierungen mit der neu gefassten Ausfuhrliste abgleichen und Änderungen betroffener Listennummern nachvollziehbar dokumentieren. 
  • Anpassungen der Bußgeldtatbestände und sanktionsbezogenen Vorschriften in Kontroll-, Freigabe- und Eskalationsprozesse übernehmen. 
  • Produktstammdaten und Exportkontrolllogiken insbesondere bei neu aufgenommenen oder gestrichenen Listenpositionen aktualisieren. 

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6. ESMA: Überarbeitete Leitlinien zur verzögerten Veröffentlichung von Insiderinformationen

Anwendbar für: Börsennotierte Emittenten, Investor Relations, Compliance, Legal, Market Abuse, Geschäftsleitung 

Relevante Maßnahmen: 

  • Entscheidungslogiken für den Aufschub von Insiderinformationen an die überarbeiteten legitimen Interessen nach MAR anpassen. 
  • Fälle wie behördlich verlangte Nichtveröffentlichung, notwendige Zusatzinformationen und sensible Geschäftschancen in interne Bewertungsmodelle aufnehmen. 
  • Dokumentation von Aufschubentscheidungen an das geänderte Offenlegungsregime für mehrstufige Prozesse anpassen. 

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7. Europol: Gap Analysis zu digitalen forensischen Fähigkeiten in Europa

Anwendbar für: Strafverfolgungsbehörden, digitale Forensik, Cybercrime, Informationssicherheit, öffentliche Verwaltung, Legal 

Relevante Maßnahmen: 

  • Interoperabilität und Standardisierung forensischer Werkzeuge stärker als Voraussetzung für grenzüberschreitende digitale Ermittlungen berücksichtigen. 
  • Cloud-, IoT- und Fahrzeugforensik als eigenständige Kompetenz- und Technologiebedarfe in strategischen Entwicklungsmodellen verankern. 
  • Einsatz von KI in der digitalen Forensik mit rechtlichen Anforderungen, Datenintegrität und nachvollziehbarer Beweisführung verbinden. 

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8. ASD Australien : Essential Eight wird zu breiterem Cyberresilienz-Rahmen weiterentwickelt

Anwendbar für: Unternehmen mit Australien-Bezug, kritische Infrastrukturen, Informationssicherheit, OT, Cloud, Cyber Risk 

Relevante Maßnahmen: 

  • Bestehende Essential-Eight-Kontrollen mit den neuen Bereichen Enterprise IT, OT und Cloud zu einem breiteren Resilienzmodell weiterentwickeln. 
  • Sicherheitsmaßnahmen stärker nach Technologieumgebung, Bedrohungslage und betrieblicher Kritikalität differenzieren. 
  • Bestehende regulatorische Anforderungen während des Übergangs weiterhin von den neuen ASD-Empfehlungen getrennt steuern. 

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9. NCSC UK: TLS-Leitlinie um Post-Quanten-Kryptografie erweitert

Anwendbar für: Informationssicherheit, Systemadministration, PKI, Cloud, Netzwerkarchitektur, Kryptografie 

Relevante Maßnahmen: 

  • Migration von TLS 1.2 auf TLS 1.3 als Voraussetzung für die schrittweise Einführung post-quantenresistenter Verfahren planen. 
  • Hybridverfahren aus klassischen und Post-Quantum-Algorithmen in Crypto-Agility- und Migrationsstrategien berücksichtigen. 
  • Veraltete TLS- und SSL-Versionen sowie unsichere Protokollfunktionen konsequent aus der technischen Architektur entfernen. 

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10. ESMA: Europäische Enforcement-Prioritäten für die Unternehmensberichterstattung 2026

Anwendbar für: Börsennotierte Unternehmen, Rechnungslegung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Investor Relations, Wirtschaftsprüfung, Compliance 

Relevante Maßnahmen: 

  • Geopolitische Unsicherheiten sowie Restrukturierungen und Schuldenrestrukturierungen gezielt in IFRS-Bewertungen und Angaben berücksichtigen. 
  • Wesentlichkeitsbeurteilung und Zusammenhang zwischen Auswirkungen, Risiken, Chancen, Maßnahmen und Kennzahlen in der ESRS-Berichterstattung stärken. 
  • Wiederkehrende ESEF-Fehler insbesondere bei der digitalen Kennzeichnung der Eigenkapitalveränderungsrechnung in Reporting-Kontrollen aufnehmen. 

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11. ESAs: Gemeinsames Arbeitsprogramm und Aufsichtsprioritäten für 2027

Anwendbar für: Banken, Versicherer, Wertpapierunternehmen, DORA, Sustainable Finance, Verbraucherschutz, Compliance 

Relevante Maßnahmen: 

  • DORA-Aufsicht über kritische IKT-Drittdienstleister und Cyberresilienz als sektorübergreifende Priorität in die Planung für 2027 übernehmen. 
  • Auswirkungen von KI und weiteren technologischen Innovationen gemeinsam mit Verbraucher- und Finanzstabilitätsrisiken bewerten. 
  • Entwicklungen bei Sustainable Finance, Verbriefungen und sektorübergreifenden Risiken in einer gemeinsamen regulatorischen Roadmap abbilden. 

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12. CPMI und IOSCO: Final Report zum Management allgemeiner Geschäftsrisiken bei Finanzmarktinfrastrukturen

Anwendbar für: CCPs, CSDs, Zahlungs- und Abwicklungssysteme, Marktinfrastrukturen, Risikomanagement, Recovery & Resolution, Governance 

Relevante Maßnahmen: 

  • Allgemeine Geschäftsrisiken systematisch identifizieren, überwachen und in die laufende Risikosteuerung von Finanzmarktinfrastrukturen integrieren. 
  • Mindestbestand an liquiden, durch Eigenkapital finanzierten Nettovermögenswerten zur Abdeckung potenzieller Geschäftsverluste nachvollziehbar bestimmen und vorhalten. 
  • Governance, Transparenz sowie Recovery- und geordnete Abwicklungsplanung stärker mit der Steuerung allgemeiner Geschäftsrisiken verzahnen. 

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13. BSI: Nationale Leitlinie zur Migration auf Post-Quanten-Kryptografie

Anwendbar für: Öffentliche Verwaltung, KRITIS, Unternehmen, Informationssicherheit, Kryptografie, IT-Architektur 

Relevante Maßnahmen: 

  • Kryptografische Abhängigkeiten und besonders gefährdete Anwendungsfälle systematisch erfassen und nach Migrationspriorität ordnen. 
  • Hochrisiko-Anwendungen auf eine Umstellung bis spätestens Ende 2030 ausrichten und langfristige Migrationspläne bis 2035 entwickeln. 
  • Verantwortlichkeiten, Lieferantenabhängigkeiten und Crypto-Agility verbindlich in die PQC-Governance und das Risikomanagement integrieren. 

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