KW 27 ist geprägt von der weiteren Verdichtung europäischer Aufsichtspraxis in den Bereichen AML/CFT, Sustainable Finance, Bankenaufsicht, Kryptoregulierung und Cyber-Resilienz. Auffällig ist dabei, dass viele Stellen nicht mehr nur Grundlinien vorgeben, sondern operative Formate, gemeinsame Templates, Konsultationen und konkrete Aufsichtsschwerpunkte nachschieben. Dadurch verschiebt sich der Fokus zunehmend auf Umsetzungsfähigkeit, Datenqualität und belastbare Koordination zwischen Funktionen, Behörden und Märkten. Für die Praxis heißt das: Entscheidend ist weniger, ob neue Regeln kommen, sondern ob bestehende Prozesse schnell genug an präzisere Vorgaben, engere Fristen und stärker standardisierte Aufsichtserwartungen angepasst werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. BSI: Community Draft zu KI-bezogenen Anforderungen veröffentlicht
- 2. AMLA: Finale Formate für FIU-Zusammenarbeit und EPPO-Reporting
- 3. ESMA: Common Supervisory Action zur Risikomanagementfunktion
- 4. Bundesbank: 37 umsetzungsnahe Maßnahmen für digitale Souveränität
- 5. AMLA: Konsultation zu einheitlichem Format für Verdachtsmeldungen
- 6. AMLA und EDPB: Gemeinsame Leitlinien zu Partnerschaften für Informationsaustausch
- 7. EBA: Konsultation zu KPIs für Taxonomy-Disclosures
- 8. ESMA: Konsultation zur Vereinfachung des EU-Taxonomy-Offenlegungsrahmens
- 9. CISA: Neuer Advisory Council zur Stärkung von Partnerschaften und Schutz kritischer Infrastruktur
- 10. BaFin: Konsultation 08/2026 zu Änderungen der KAPrüfbV
- 11. BaFin: 9. MaRisk-Novelle veröffentlicht
- 12. EBA: POG-Guidelines zu ESG-Produkten und Greenwashing-Risiken präzisiert
- 13. AMLA: Advisory Note zu Geldwäscherisiken beim Ende der MiCAR-Übergangsphase
- 14. Rat der EU: Finale Zustimmung zu Vereinfachungsmaßnahmen beim AI Act
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1. BSI: Community Draft zu KI-bezogenen Anforderungen veröffentlicht
Anwendbar für: Informationssicherheit, KI-Governance, öffentliche Stellen, IT-Compliance, Standardisierung
Relevante Maßnahmen:
- Entwurfsanforderungen für den sicheren Einsatz von KI frühzeitig in bestehende Sicherheits- und Governance-Strukturen einordnen.
- Mögliche Auswirkungen auf technische Standards, Beschaffung und interne Prüfkriterien bewerten.
- Fachbereiche, Informationssicherheit und KI-Verantwortliche bei Kommentierung und späterer Umsetzung eng verzahnen.
2. AMLA: Finale Formate für FIU-Zusammenarbeit und EPPO-Reporting
Anwendbar für: AML-Compliance, FIU-bezogene Prozesse, Financial Crime, grenzüberschreitende Institute, Regulatory Reporting
Relevante Maßnahmen:
- Interne Daten- und Meldeprozesse auf maschinenlesbare und vergleichbare Formate ausrichten.
- Schnittstellen zu FIU.net und EPPO-bezogenen Informationsflüssen technisch und organisatorisch vorbereiten.
- Qualitätssicherung für Analysen, Feedback und grenzüberschreitende Berichte nachschärfen.
3. ESMA: Common Supervisory Action zur Risikomanagementfunktion
Anwendbar für: UCITS-ManCo, AIFM, Risikomanagement, Fund Governance, Aufsichts-Compliance
Relevante Maßnahmen:
- Unabhängigkeit, Wirksamkeit und Ausstattung der Risikomanagementfunktion gezielt überprüfen.
- Governance, Risikomessung und Berichtswege an den ESMA-Schwerpunktfeldern ausrichten.
- Dokumentation für aufsichtsnahe Prüfungen in 2026 und 2027 belastbar aufbereiten.
4. Bundesbank: 37 umsetzungsnahe Maßnahmen für digitale Souveränität
Anwendbar für: Digitale Souveränität, IT-Strategie, Public Affairs, Informationssicherheit, Innovationssteuerung
Relevante Maßnahmen:
- Relevanz der vorgeschlagenen Maßnahmen für Cloud, KI, Chips, Robotik und Quantencomputing strategisch bewerten.
- Abhängigkeiten in kritischen Technologien und digitalen Infrastrukturen strukturiert erfassen.
- Eigene Digital- und Beschaffungsstrategie stärker an Souveränitätszielen ausrichten.
5. AMLA: Konsultation zu einheitlichem Format für Verdachtsmeldungen
Anwendbar für: AML-Compliance, Verpflichtete, Financial Crime, Meldewesen, grenzüberschreitende Gruppen
Relevante Maßnahmen:
- Verdachtsmeldeprozesse auf harmonisierte Datenpunkte und stärker standardisierte Formate vorbereiten.
- Unterschiede zwischen nationalen Meldepraktiken und künftigen EU-Vorgaben identifizieren.
- Fachbereiche auf klarere, strukturiertere und grenzüberschreitend konsistente Meldeanforderungen einstellen.
6. AMLA und EDPB: Gemeinsame Leitlinien zu Partnerschaften für Informationsaustausch
Anwendbar für: AML-Compliance, Datenschutz, Financial Crime, Informationsaustausch, Public-Private-Cooperation
Relevante Maßnahmen:
- Künftige Modelle für Informationsaustausch frühzeitig mit Datenschutz- und AML-Anforderungen zusammen denken.
- Voraussetzungen für zulässige Datenverarbeitung in Kooperationsstrukturen belastbar dokumentieren.
- Governance für Public-Private-Partnerships und sektorübergreifenden Informationsaustausch weiterentwickeln.
7. EBA: Konsultation zu KPIs für Taxonomy-Disclosures
Anwendbar für: Banken, Sustainable Finance, Offenlegung, ESG-Reporting, Meldewesen
Relevante Maßnahmen:
- Eigene Taxonomy-Disclosure-Prozesse auf Vereinfachungspotenziale und Nutzbarkeit überprüfen.
- KPI-Logiken und Offenlegungsstrukturen mit Blick auf mögliche Anpassungen fachlich neu bewerten.
- Datenquellen und Verantwortlichkeiten für Taxonomy-bezogene Kennzahlen konsistent zusammenführen.
8. ESMA: Konsultation zur Vereinfachung des EU-Taxonomy-Offenlegungsrahmens
Anwendbar für: Asset Manager, Sustainable Finance, ESG-Offenlegung, Compliance, Regulatory Affairs
Relevante Maßnahmen:
- Berichtspflichten auf mögliche Vereinfachungen und Entlastungen hin analysieren.
- OpEx-KPI, Gruppenberichterstattung und weitere vereinfachte Ansätze auf Anwendbarkeit prüfen.
- Offenlegungsprozesse so anpassen, dass Relevanz für Investoren bei sinkendem Aufwand erhalten bleibt.
9. CISA: Neuer Advisory Council zur Stärkung von Partnerschaften und Schutz kritischer Infrastruktur
Anwendbar für: KRITIS, Informationssicherheit, Public Affairs, Resilienz, Sicherheitskooperationen
Relevante Maßnahmen:
- Bedeutung neuer Public-Private-Kooperationsstrukturen für Resilienzprogramme beobachten.
- Schnittstellen zu Branchenverbänden, Sicherheitsbehörden und kritischer Infrastruktur stärker strukturieren.
- Eigene Sicherheitsstrategie auf stärker koordinierte sektorübergreifende Resilienzansätze ausrichten.
10. BaFin: Konsultation 08/2026 zu Änderungen der KAPrüfbV
Anwendbar für: Kapitalverwaltungsgesellschaften, Fondsaufsicht, Prüfungswesen, Compliance, Regulatory Affairs
Relevante Maßnahmen:
- Auswirkungen der Änderungsverordnung auf Prüfungsgegenstände und Prüfungsberichte analysieren.
- Anpassungsbedarf bei Kreditvergabethemen, GwG-Berichterstattung und aufsichtsrechtlicher Dokumentation prüfen.
- Zusammenarbeit mit Prüfung, Legal und Fachbereichen frühzeitig auf neue Berichtsinhalte ausrichten.
11. BaFin: 9. MaRisk-Novelle veröffentlicht
Anwendbar für: Banken, MaRisk-Umsetzung, Governance, Risikomanagement, Compliance
Relevante Maßnahmen:
- Neue Proportionalitäts- und Öffnungsklauseln mit Blick auf das eigene Institut systematisch auswerten.
- Prinzipienorientierung, Berichtswesen und Stresstest-Erleichterungen in laufende Umsetzungsarbeiten integrieren.
- Interne Regelwerke, Zuständigkeiten und Dokumentationslogik an die veröffentlichte Fassung anpassen.
12. EBA: POG-Guidelines zu ESG-Produkten und Greenwashing-Risiken präzisiert
Anwendbar für: Retail Banking, Produktgovernance, ESG-Produkte, Consumer Protection, Compliance
Relevante Maßnahmen:
- ESG-bezogene Retail-Produkte in Produktfreigabe- und Governance-Prozessen gesondert überprüfen.
- Greenwashing-Risiken in Zielmarktbestimmung, Produktgestaltung und Vertrieb systematischer adressieren.
- Hersteller- und Vertriebsverantwortung bei ESG-Merkmalen fachlich und organisatorisch schärfen.
13. AMLA: Advisory Note zu Geldwäscherisiken beim Ende der MiCAR-Übergangsphase
Anwendbar für: Krypto-Compliance, CASPs, AML-Compliance, Financial Crime, Aufsichtsvorbereitung
Relevante Maßnahmen:
- Risiken aus dem Übergang von nicht autorisierten zu autorisierten Marktteilnehmern gezielt bewerten.
- Kontrollen für unauthorisierte VASPs/CASPs, Kundenmigration und Monitoring anpassen.
- MiCA-, AML- und Aufsichtsperspektive in einer abgestimmten Cut-over-Logik zusammenführen.
14. Rat der EU: Finale Zustimmung zu Vereinfachungsmaßnahmen beim AI Act
Anwendbar für: KI-Governance, Product Compliance, Public Affairs, Plattformen, Regulatory Affairs
Relevante Maßnahmen:
- Vereinfachungen und neue Zeitlinien im AI-Act-Regime in laufende Umsetzungspläne überführen.
- Betroffene Systeme, Prozesse und Freigabepfade anhand der finalen Fassung neu priorisieren.
- Anpassungen bei verbotenen Anwendungen und Umsetzungsfristen in Governance- und Produktentscheidungen verankern.
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